Buchempfehlungen
#VonStudierendenFürStudierende

Gemeinsam mit Studierenden und Freunden der Fakultät für Architektur an der TU München ist die folgende Sammlung an Buchempfehlungen entstanden. Dabei wurde aufgerufen seine persönlichen Lieblingsbücher, Bücher die man unbedingt noch lesen möchte oder aber auch gelesen haben sollte mit uns zu teilen. Ziel dabei war es aus den vielfältigen subjektiven Vorlieben ein umfassendes Gesamtbild zu erstellen. Lest selbst:

A

  • Adli, Mazda (2017): Stress and the City, C. Bertelsmann Verlag, München
  • Adorno, Theodor (1973): Ästhetische Theorie, Suhrkamp, Frankfurt a. Main
  • Adorno, Theodor / Max Horkheimer (1944): Dialektik der Aufklärung, Sodal Studies
  • Association, Inc., New York
  • Alberti, Leon Battista (1452): De Re Aedificatoria Libri Decem

Der universal-interessierte Humanist greift hier im 15. Jahrhundert in der Renaissance die Ideen Vitruvs wieder auf und aktualisiert sie. Ähnlich zu Vitruv finden sich hier viele der Gemeinplätze, von denen Architekt*innen bis heute reden und „überzeugt“ sind. Die bekannteste dieser Theorien besagt, dass Schönheit in der Architektur genau dann erreicht werde, wenn eine Übereinstimmung (consensus) und Einklang (conspiratio) der zugehörigen Teile in Bezug auf eine bestimmte Anzahl (numerus), Beziehung (finitio) und Anordnung (collocatio) erreicht wird, so wie es die Harmonie (concinnitas), das vollkommene und ursprüngliche Naturgesetz, verlangt. Verkürzt heißt es oft, es kann nichts hinzugefügt oder weggenommen werden, ohne dass das Werk in seiner Vollkommenheit gemindert wird.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Alexander, Christopher (1977): Eine Mustersprache. Oxford University Press, New York
  • Alexander, Christopher (1979): The timeless way of building, Oxford University Press, New York
  • Ando, Tadao / Hunter Matthew (2012): Conversations with Students, Princeton Architectural Press, New York
  • ARCH+ 225 (2016): Legislating Architecture – Gesetze gestalten!. Berlin
  • ARCH+ 230 (2017): Projekt Bauhaus 2: Architekturen der Globalisierung. Berlin
  • ARCH+ 231 (2018): The Property Issue – Von der Bodenfrage und neuen Gemeingütern. Berlin
  • ARCH+ 235 (2019): Rechte Räume – Bericht einer Europareise. Berlin
  • Arendt, Hannah  (2017): Mensch und Politik, Reclam Philipp, Stuttgart
  • Arendt, Hannah (1982): Über das Urteilen
  • Arendt, Hannah (1943): Wir Flüchtlinge, Reclam Philipp, Stuttgart
  • Arnheim, Rudolf (1980): Die Dynamik der architektonischen Form, DuMont, Köln

Ähnlich zu Venturis Complexity and Contradiction untersucht der Medienwissenschaftler Arnheim sehr präzise anhand von subjektiv gewählten Beispielen die Ph.nomene der räumlich-architektonischen Wahrnehmung. Das wesentlich umfassendere und weniger selektive Werk versucht, die uns im Alltag geläufigen Beobachtungen der Stadt- und Architekturräumen auf eine nahezu empirische Basis zu stellen. Vieles ist einleuchtend, anderes geht wesentlich auf seine subjektiven Empfindungen zurück, sodass auch dieses Buch die Frage nach einem allgemein vermittelbaren „Architekturwissen“ nur bedingt beantworten kann.

Empfehlung von Matthias Peterseim

B

  • Bachelard, Gaston (1957): Die Poetik des Raumes, Carl Hanser, München
  • Berlin, Isaiah (1959): Das Krumme Holz der Humanität, S. Fischer, Frankfurt a. Main
  • Beck, Ulrich (2016): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp, Berlin
  • Böhme, Gernot (2001): Ästhetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrnehmungslehre, Wilhelm Fink Verlag, München
  • Braungart, Michael / William McDonough (2002): Cradle to Cradle, North Point Press, New York
  • Boltshauser, Roger (2008): Elementares zum Raum, Springer, Wien

C

  • Caminada, Gion; Wittmann, Franziska (2017): Leistungen der Architektur, Quart Verlag, Luzern

Der Dorf-Revitalisierer aus Graubünden legt hier mit seiner Kollegin von der ETH ein extrem reduziertes Büchlein vor, das die existenziellen „Leistungen“ der Architektur rund um Klima, Feuchtigkeit, Wärme, Kälte, Behaglichkeit und Oberfläche auf erfrischende Weise zusammenfasst und skizzenhaft visualisiert. Viele der häufig komplex erscheinenden Zusammenhänge werden hier einfach erklärt und zug.nglich gemacht. Dabei liegt der Fokus Caminadas Naturell entsprechend auf low-tech Lösungen, die nicht selten aus der historischen Bautradition abgeleitet sind.

Empfehlung von Matthias Peterseim

D

  • De Botton, Alain (2009): Glück und Architektur, S. Fischer, Frankfurt a. Main
  • Deutinger, Theo (2017): Handbook of Tyranny, Lars Müller Publishers, Zürich
  • Dyckhoff, Tom (2017): The Age of Spectacle, Random House Books, London

E

  • Eberle, Dietmar and Aicher, Florian (2018): 9 x 9 – Eine Methode des Entwerfens. Von der Stadt zum Haus weitergedacht, Birkhäuser, Basel
  • Eco, Umberto (1962): Das offene Kunstwerk, Suhrkamp, Frankfurt a. Main

F

  • Fathy, Hassan (2010): Arts and Architecture, American University Press, Cairo
  • Fernández Per, Aurora / Javier Mozas / Javier Arpa (2011): This is Hybrid, a+t architecture publishers, Vitoria-Gasteiz
  • Fischer, Theodor (2017): 1-6 Vorträge über Stadtbaukunst
  • Frank, Ute (2017): Hiatus: Architekturen für die gebrauchte Stadt, Textsammlung, Birkhäuser, Berlin
  • Kurt W. Forster (2018): Schinkel: A Meander through his Life and Work, Birkhäuser, Berlin

Auch hier ist es erstaunlich, wie zeitlos die mittlerweile 150-jährigen Gedanken Schinkels übertragbar sind. Vieles von dem, was uns heute umtreibt – egal ob in Beobachtung, Lehre oder Praxis – scheint bereits zu Schinkels Zeiten relevant gewesen zu sein. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele in Schinkel einen der ersten „modernen“ Architekten entdecken.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Friedmann, Yona / Hans Ulrich Obrist (2007): The Conversation Series, Walther König, Köln
  • Fuster, Joaquín M. (1995): Memory in the Cerebral Cortex: An Empirical Approach to Neural Networks in the Human and Nonhuman Primate, MIT PR, Cambridge Mass

G

  • Gehl, Jan (2015): Städte für Menschen, Jovis Verlag, Berlin
  • Goldhagen, Sarah Williams (2017): Welcome to Your World: How The Built Environment Shapes Our Lives, Harper, New York

H

  • Hauck, Thomas E.; Hennecke, Stefanie; Körner, Stefan (2017): Aneignung Urbaner Freiräume, ein Diskurs über städtischen Raum, transcript Verlag, Bielefeld
  • Hauser, Arnold (1973): Kunst und Gesellschaft. C.H. Beck, München
  • Häußermann, Hartmut (2007): Siebel, Walter und Läpple, Dieter: Stadtpolitik. Suhrkamp, Frankfurt
  • Hays Michael (2009): Architecture’s Desire, MIT Press, Cambridge
  • Habermas, Jürgen (1985): Der philosophische Diskurs der Moderne: Zwölf Vorlesungen. Suhrkamp, Frankfurt
  • Hertzberger, Herman (1995): Vom Bauen. Vorlesungen über Architektur, Aries, München

In diesem sehr didaktisch gehaltenen Band geht es um viele Ideen und Grundsätze rund um den Strukturalismus, dessen Hertzberger ein Vertreter war. Die hier vorgestellten Prinzipien zeigen eine Äußerst nah am Menschen und seinen sozialen Handlungen ausgerichtete Form in der Architektur auf. Dieser Fokus ist vor allem deswegen so interessant, weil die zugrundeliegenden Beobachtungen völlig zeitlos sind. Leider muss man konstatieren, dass diese „soziale Form“ bis heute nicht viele Nachahmer fand. Neure Entwicklungen einer „social architecture“ gehen mit Sicherheit auf jene Ideen aus den 60er – 90er Jahren zurück.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Heß, Regine (2013): Emotionen am Werk. Peter Zumthor, Daniel Libeskind, Lars Spuybroek und die historische Architekturpsychologie, Gebr. Mann Verlag, Berlin

J

  • Jacobs, Jane (1961): Life and Death of Great American Cities, Random House, New York
  • Jonas, Hans (1984): Das Prinzip Verantwortung. Versuche einer Ethik für die technologische Zivilisation. Suhrkamp, Frankfurt
  • Johnson, Philip; Russell-Hitchcock, Henry (1932): The International Style, W. W. Norton, New York

Mit dieser Publikation wurde erst die Bewegung des „Neuen Bauens“ zu einem Stil der „weißen Moderne“. Das Buch zur Ausstellung im MoMA katalogisiert eine große Zahl „moderner“ Bauten, die Johnson und Hitchcock zuvor auf Reisen besucht haben. Noch interessanter ist jedoch die vorangestellte Einleitung, in der den betrachteten Bauten eine Art Regelwerk bezüglich Serialität und Rationalität, Ornamentlosigkeit und dem Fokus auf den Raum attestiert wird. Dabei kreieren die Autoren – beabsichtigt oder nicht – den „International Style“, den es so nie gab. Sie unterschlagen außerdem alternative moderne Entwicklungen, die ihrem Bild nicht entsprechen. Für das Verständnis der weiteren Entwicklung der Moderne ist dieses Buch jedoch unentbehrlich.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Jullien, François (2016): Es gibt keine kulturelle Identität, Suhrkamp, Berlin
  • Junichiro, Tanizaki (1933): Lob des Schattens, Manesse, Zürich

Der japanische Autor vermittelt uns als europäischem Publikum eine Sichtweise auf die Wahrnehmung von Licht und Schatten, die neue Blickwinkel zulässt. Während ein großer Teil europäischer Geschichte auf die Behandlung des Phänomens Licht gepolt ist, wird laut Tanizaki Junichiro in der japanischen Tradition mit mindestens genau so gro.er Sorgfalt die Dunkelheit behandelt. Die von ihm auf präziseste Weise erzählten Raum- und Lichtsituationen lassen unweigerlich stimmungsvolle Bilder im Kopf entstehen.

Empfehlung von Matthias Peterseim

K

  • Köhler, Wolfgang (1933): Psychologische Probleme, Springer-Verlag Berlin Heidelberg
  • Köppler, Jörn (2010): Sinn und Krise moderner Architektur, transcript Verlag, Bielefeld

Der Autor arbeitet sich in dieser eher philosophischen Betrachtung an der Entwicklung der Architekturgeschichte entlang der Sinndimension ab. Um die beschriebenen Vorgänge jedoch vollends nachzuvollziehen, ist es notwendig, tiefer in die „Dialektik der Aufklärung“ Theodor W. Adornos, Theorien Schinkels, Miesʼ und vieler mehr einzusteigen. Zusammengefasst behauptet der Autor, dass durch eine falsch verstandene Aufklärung (nach Adorno) die formale Grundlegung der Architektur „sinnlos“ geworden sei und somit zum größten Teil formalistisch ist. Allerdings zeigt er auch mögliche Auswege aus diesem Dilemma, das uns seit dem späten 18. Jahrhundert verfolgt, mit Verweis auf eine mit dem Erhabenen der Natur per se arbeitenden Architekturmethodik, die er bei Boullée, Schinkel und letztlich Mies erkennen will. Ein wirklich außergewöhnliches Werk, dass das Selbstverständnis unseres gesamten Architektur-metiers vollumfänglich in Frage stellt und nach Sinn sucht. Es eröffnet neue Diskussionsgrundlagen und fördert das Denken!

Empfehlung von Matthias Peterseim

L

  • Lampugnani, Vittorio Magnago (2015): Radikal Normal, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern

Der langjährige Theorieprofessor der ETH hat in diesem Buch Essays und Zeitungsartikel (u.a. NZZ) seit den 90er Jahren gesammelt, die zusammen ein sehr ganzheitliches Bild von seiner auf Einfachheit, Langlebigkeit und bisweilen Neu-Konservatismus basierenden Architekturtheorie abgeben. Obwohl manches für junge Architekturstudent*innen etwas zu retro oder gar rückwärtsgewandt erscheint, so stecken in diesem Buch auch sehr viele Gedanken für eine Zukunft der Nachhaltigkeit bei gleichzeitiger architektonischer und städtebaulicher Qualität.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Le Corbusier (1923): Vers une Architecture

Dieses frühe Schriftwerk Le Corbusiers (der sich ohnehin als Schriftsteller verstand) kann als Manifest der Mobilitäts- und Technologie-getriebenen Moderne verstanden werden. In die Geschichtsbücher eingegangen ist Vers une Architecture unter anderem durch seine unkonventionelle und provokative Gestaltung, bei der Automobile fotografisch mit dem Parthenon verglichen werden. Die meisten der architektonischen Grundgedanken, die Le Corbusiers Werk auszeichnen, sind bereits hier angelegt. Der Autor nimmt in seiner frechen und revolutionären Rhetorik kein Blatt vor den Mund und ermuntert auch jeden Leser aus der heutigen Zeit, unvoreingenommen mit frischen Ideen in die Zukunft zu blicken. Eine Analyse des Autors Turin Fröbe von 2016 (Die Inszenierung eines Mythos: Le Corbusier und die Akropolis) zeigt, dass Le Corbusier trotz seiner ketzerisch-modernen Anmutung der frühen Jahre, viele seiner Gedanken aus der von ihm intensiv bereisten historischen Architektur ableitet). In der Kombination mit neueren Beiträgen ist Vers une Architecture ein lohnenswerter Klassiker.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Loos, Adolf (1908): Ornament und Verbrechen
  • Loos, Adolf (2009): Warum Architektur keine Kunst ist, Metroverlag, Wien
  • Lynch, Kevin (1975): Das Bild der Stadt, Friedrich Vieweg + Sohn, Braunschweig

M

  • Maak, Niklas (2014): Wohnkomplex: Warum wir andere Häuser brauchen, Carl Hanser Verlag, München
  • Mallgrave, Harry Francis (2010): The Architect’ s Brain. Neuroscience, Creativity, and Architecture, Wiley-Blackwell, Malden, MA
  • Mies van der Rohe, Ludwig / Fritz Neumeyer (1986): Das kunstlose Wort, Siedler Verlag, Berlin
  • Antonio Monestiroli (2015): Metope und Triglyphe: Neun Vorlesungen über Architektur, Wasmuth, Tübingen

Im Gegensatz zu den teils unverst.ndlichen Texten Rossis und Grassis ist diese Essay/ Vorlesungs-Sammlung des Tendenza-Vertreters Antonio Monestiroli wesentlich kurzweiliger und gut verst.ndlich. Hier lernt der Leser vieles über die herrlich ungezwungene Welt der Rationalisten der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Italien. Vieles baut auf der vitruvianischalbertianischen Tradition auf und bewertet dies nach (post-)modernen Prinzipien neu. Vielen Menschen erscheinen bauliche Zeugnisse aus diesem Kreis wesentlich zeitloser als Bauten anderer kurzlebiger Epochen, was die Lektüre der rationalistischen Tendenza-Literatur lohnenswert macht.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Montgomery, Charles (2013): Happy City, Penguin, London

N

  • Neumeyer, Fritz;  van der Rohe, L. Mies (1986): Das kunstlose Wort, DOM Publishers, Berlin

Während Mies van der Rohe meist zu den eher leisen Architekten gezählt wird, zeigt dieses Sammelwerk, dass dieser Protagonist der Moderne sehr wohl theoretisch viel zu bieten hat und in seiner langen Laufbahn eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat – vom latent klassizistischen über den radikalrationalistischen Architekten hin zum kritisch-künstlerischen Denker, der mit der „klassische Moderne“ um Walter Gropius alles andere als konform scheint. Von diesen Gedanken ab den späten 1920er Jahren kann man auch heute noch viel lernen.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Newman, Oscar (1972): Defensible Space; Crime Prevention Through Urban Design, Macmillan, New York
  • Nicolai, Olaf / Jan Wetzel: Labyrinth
  • Niemeyer, Oscar (2012): Wir müssen die Welt verändern, Antje Kunstmann Verlag, München
  • Norberg Schulz, Christian (1979): Genius Loci: Towards a Phenomenology in Architecture, Rizzoli, New York

O

  • Olgiati, Valerio (2018): Nicht-Referenzielle Architektur, Simonett & Baer, Basel

Achtung, dieses Buch ist ketzerisch bis polemisch und beinhaltet viele Phrasen, die kaum belegbare Behauptungen zu Architekturgeschichte, Weltanschauung und Berufspraxis wiedergeben. Dennoch stößt man auf vielerlei Gedanken, die kritisches Hinterfragen des allgemein Akzeptierten anregen. Hauptanliegen ist es Olgiati dabei, Architektur als eine Praxis des räumlich-formalen Denkens zu betrachten und sogenannte „architekturfremde“ Disziplinen nur am Rande zur Diskussion hinzuzuziehen. Es ist selbstverständlich jedem selbst überlassen, seine Definitionen anzunehmen oder zu kritisieren. Nichtsdestotrotz gelingt es Olgiati die Widersprüche unserer Zeit auf wenigen Seiten sehr plakativ und provokativ zusammenzufassen.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Oswalt, Philipp / Klaus Overmeyer / Philipp Misselwitz (2013): Urban Catalyst, Dom Publishers, Berlin

P

  • Palladio, Andrea (1570): I Quattro Libri dellʼArchitettura

Während Vitruv und Alberti sich neben praktischen Hinweisen zum Bauwesen auch sehr allgemeingültig mit der Architekturtheorie befassen, sind die Vier Bücher Andrea Palladio wesentlich stärker als idealisiertes Werkverzeichnis, Inspirationsquelle und Praxis-Ratgeber für den entwerfenden Architekten des 16. Jahrhunderts zu interpretieren. Nichtsdestotrotz lohnt sich auch heute die Lektüre dieses Werks, weil in seinen Texten der unglaubliche Pragmatismus und die Effizienz der original palladianischen Methodik offenbar wird. Die Palazzi und Villen sind mitnichten nur ein Zeugnis einer ausschließlich luxuriösen Upper-Class-Architektur, sondern bergen vielerlei Erkenntnisse hinsichtlich des effizienten Einsatzes von Material, Raum und Dekor.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Pallasmaa, Juhani (1996): The Eyes of the Skin: Architecture and the Senses, Wiley, Chichester

Dieser absolute Klassiker der „phänomenologischen Architekturtheorie“ birgt auch gleichzeitig die radikalsten Betrachtungen einer Architektur, die sich auf der sinnlichen Wahrnehmung zu gründen versucht. So beschreibt Pallasmaa nicht nur sehr einleuchtend, wie unser visueller Apparat funktioniert, sondern behauptet ebenso selbstverständlich, dass zur Architekturwahrnehmung neben dem Hör-, Geruchs- und Tastsinn sogar das Geschmacksorgan dazugehört. Wer diese Beobachtungen nach der Lektüre verinnerlicht hat, wird Architektur und Entwurf nie mehr auf dieselbe Weise behandeln!

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Pallasmaa, Juhani (2009): The Thinking Hand, John Wiley and Sons Ltd, Chichester
  • Pallasmaa, Juhani (2012): The Eyes of the Skin. Architecture and the Senses, John Wiley and Sons Ltd, Chichester
  • Perec, Georges (2008): Species of Spaces and Other Pieces. Penguin Books, London

S

  • Sadler, Simon (2005): Archigram: Architecture without Architecture, MIT Press, London
  • Sakamoto, Kazunari (2015): Vortrag, Quart Verlag, Luzern
  • Schmitz, Hermann (2014): Atmosphären, Verlag Karl Alber, Freiburg
  • Schwinn, Florian (2019): Rettet den Boden! Warum wir um das Leben unter unseren Füßen kämpfen müssen. Westend, Frankfurt
  • Sennett, Richard (1994): Fleisch und Stein: Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation, Suhrkamp, Frankfurt a. Main
  • Sennet, Richard (2018): Die Offene Stadt, Hanser, Berlin
  • Šik, Miroslav (2002): Altneue Gedanken, Quart Verlag, Luzern

Jeder, der sich fragt, was es mit der sogenannten „Analogen Architektur“ auf sich hat, der findet in diesem kleinen Buch von Miroslav Sik wesentliche Antworten. Diese „Schule“ hat eine ganze Generation von Architekt*innen geprägt und hat sich auch bis heute hartnäckig in der schweizerisch-deutschen Lehre gehalten.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Sitte, Camillo (1889): Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen

Wie sind die heute so beliebten Städte des 19. Jahrhunderts entstanden? Darauf gibt Camillo Sitte mit zahlreichen Skizzen interessante Antworten und schildert außerdem, warum zu rational geplante Rasterstädte (wie z.B. die Maxvorstadt) aus seiner Sicht nicht ansprechend seien.

Empfehlung von Matthias Peterseim

V

  • Venturi, Robert (1966): Complexity and Contradiction in Architecture, The Museum of Modern Art, New York

Ein Buch, das sicherlich eine gesamte Generation von Architekt*innen geprägt hat und durch seinen unkonventionellen – oder gar „unmodernen“ – Umgang mit historischen Referenzen die verstaubte Architekturgeschichte in der breiten Öffentlichkeit zurück auf den Plan geholt hat. Was Venturi hier von seinen Reisen beschreibt, scheint schnell nachvollziehbar – auch wenn man nicht vergessen darf, dass die von ihm beobachteten Phänomene der „Komplexität“ und des „Widerspruchs“ keine Gesetze, sondern spezifische, subjektive Erfahrungen sind, die nicht so leicht übertragen werden können.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Vitruvius Pollio, Marcus (27 – 23 v. Chr.): De Architectura

Der Klassiker der Architekturtheorie im wahrsten Sinne des Wortes: Kein schriftliches Werk der Architekturgeschichte hat die Disziplin nachhaltiger geprägt als die zehn Bücher über die Architektur. Vitruv leitet darin nicht nur sehr grundlegend in den Begriff der Architektur und des Architektenberufs ein, er gibt auch klare Handlungsanweisungen, wie die ausschlaggebenden Faktoren zu interpretieren und zu Gewichten sind. Vieles von dem, von dem wir heute unausgesprochen ausgehen, wurde bereits bei Vitruv niedergeschrieben. Bekannt sind unter anderem seine Bemerkungen zu Firmitas, Utilitas und Venustas (Standfestigkeit, Nützlichkeit und Schönheit). Vitruvianischmethodisches Erbe lässt sich bis heute auch in der Lehre beobachten (auch an der TU München). Das Buch ist deswegen so lesenswert, weil man bei der Lektüre merkt wie verblüffend wenig sich eigentlich seit über 2000 Jahren in den Grundsätzen verändert hat.

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Vogt, Günther (2020): Mutation und Morphose, Lars Müller Publishers, Zürich

W

  • Walter, Benjamin (1935): Das Kunstwerk in Zeiten seiner technischen Reproduzierbarkeit, Suhrkamp, Frankfurt a. Main
  • Wittkower, Rudolf (1949): Architectural principles in the age of humanism

Während das Bild der Renaissance für viele von einer eher verstaubten Architekturgeschichte-Vorlesung geprägt ist, geht dieses berühmte Werk Wittkowers auf die architektonische und räumliche Theorie der Renaissance ein und erklärt die verblüffenden Vorstellungen eines Albertis oder Palladio bezüglich Proportion, Kosmos und Antikenrezeption. Auch wenn seine Theorien später von einigen Historikern für ihre Ungenauigkeit gerügt wurden, lässt einen Wittkower hinter die Kulissen der sagenumwobenen Genies der Renaissance in Italien blicken. Nach der Lektüre blickt man bei der nächsten Reise nach Vicenza, Florenz oder Venedig mit anderen Augen auf die Kirchenfassaden!

Empfehlung von Matthias Peterseim

  • Wolfrum, Sophie and Janson, Alban (2019): Die Stadt als Architektur, Kraemer Verlag, Stuttgart
  • Wray, Sharon (2012): This is your life you have to live with the memories, The International Journal of Ageing and Society, Champaign, IL

Z

  • Zumthor, Peter (1998): Architektur Denken, Birkhäuser, Berlin
  • Zumthor, Peter (2006): Atmospheres: Architectural Environments. Surrounding Objects, Birkhäuser, Basel